Schlagwort: Roman

Petra Piuk – Lucy fliegt

Wir kennen das alle: Sitznachbarn im Zug, im Bus, im Flugzeug. Man kann sie sich nicht aussuchen. Mal hat man Glück und sie sind einfach nett. Bleiben auf ihrem Sitz, liegen nach dem Einschlafen nicht auf unserer Schulter und teilen uns auch nicht ungefragt ihre wie auch immer gearteten Neuigkeiten, Meinungen und Neigungen mit. Und manchmal hat man eben nicht so viel Glück. Läuft es ganz schlecht, sind sie wie Lucy. Weiterlesen

Cora Stephan – Ab heute heiße ich Margo

„Ab heute heiße ich Margo“ ist eins dieser Bücher, die mich nicht haben schlafen lassen; in die man als Leser förmlich hineingelebt wird und die man nicht aus der Hand legen will, bevor man den letzten Buchstaben der letzen Seite inhaliert hat. Und das sollte wohl reichen, um dezent darauf hinzuweisen, dass dieses Buch gelesen gehört. Jawohl! Weiterlesen

Alexandre Dumas – Ein Liebesabenteuer

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Wer kennt ihn nicht – Alexandre Dumas, Schöpfer der „Drei Musketiere“ oder des „Grafen von Monte Christo. Er war ein Arbeitstier: Insgesamt dürfte er über 600 Werke verfasst haben; entweder alleine oder zusammen mit einem seiner Mitschreiber aus seiner Literatur-Manufaktur.

Aber Alexandre Dumas kann nicht nur Mantel und Degen – er kann auch feinsinnig, scharfzüngig und elegant erotisch, wie er in „Ein Liebesabenteuer“ beweist. Weiterlesen

Mittsommer

Heute ist Mittsommer, Sommersonnenwende, der längste Tag im Jahr, die kürzeste Nacht. Man kann diesen Tag feiern, in dem man sich wie beispielsweise in Schweden blumengeschmückt zum Aufstellen der Maistang trifft, gemeinsam neue Kartoffeln, Hering und Knäckebrot isst – und das Ganze fleißig mit der richtigen Menge Schnaps hinunterspült.
Oder man nutzt diesen längsten Tag und diese besondere Zeit, um ausgiebig zu lesen – thematisch passend zum Beispiel mit dem Sommernachtstraum von William Shakespeare. Oder mit diesen beiden:

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Daniela Gerlach – Was das Meer nicht will

Wie fühlt sich eine Frau Mitte vierzig, deren Ehe sich nach zwanzig gemeinsamen Jahren ein- bis abgeschliffen hat und sie sich nur noch in einer Art freundlicher Duldungsstarre befindet? Wenn ihr das Ehegespons mit seiner Fürsorge, seiner Vorsicht und Hang zur Kontrolle tierisch auf den Wecker geht und sie auf die latent lauernden Vorwürfe ihrer Mutter keinen Bock mehr hat?

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Tommy Wieringa – Eine schöne junge Frau

Da hat mich doch der Klappentext auf eine ziemlich falsche Fährte gelockt:

„Er ist ein erfolgreicher Virologe – Arbeiten, Reisen, Affären -, sie eine Soziologiestudentin ohne Abschluss. Die beiden werden ein Paar und heiraten. Doch hier, wo viele Romane enden, beginnt Edwards eigentliche Geschichte erst. Der selbstbewusste Wissenschaftler, der die Versuchstiere eigenhändig tötet, wenn es der Karriere dient, hält Ruths moralischen Anforderungen nicht stand. Edward wird klar, dass sein besseres Ich bei seinem raschen Aufstieg auf der Strecke geblieben ist – für immer?“

Er suggerierte mir, dass seine Frau ihm moralisch überlegen ist. Doch ist das wirklich so? Weiterlesen

Doris Knecht – Wald

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„Früher, viel früher: Da brauchte man nur eine gute Ausbildung, man musste nur ein fleißiger Einser-Student sein, man brauchte nur Tüchtigkeit, Durchhaltevermögen, einen Rolodex voller guter Kontakte und viel Kaffee (oder Red Bull oder Koffeintabletten oder Kokain): Dann hatte man Erfolg. Zuverlässig. … Das Rezept hatte nach dem Krieg zu funktionieren angefangen, und dann funktionierte es gut fünfzig Jahre lang gut, und dann funktionierte es wegen ein paar dummgekoksten Wallstreetzockern plötzlich nicht mehr.“

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Jürgen Bauer – Was wir fürchten

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„Du bist ja paranoid. Halt einfach den Mund und sei still.“

Das ist der Satz, der Georg in seiner Kindheit geprägt hat und der ihn auch durch sein ganzes späteres Leben begleiten wird. Aufgewachsen mit einem psychisch kranken Vater und einer Mutter, die sich aufreibt und auflöst beim Versuch, das Bild der intakten Familie aufrecht zu erhalten und gleichzeitig ohnmächtig zusieht, wie ihr zuerst der Mann und dann der Sohn in den (vermeintlichen?) Wahnsinn entgleiten. Weiterlesen

Helle Helle – Färseninsel

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„Ich suche einen guten Ort, um zu weinen. Einen solchen zu finden, ist gar nicht so leicht. Ich bin mehrere Stunden mit dem Bus gefahren, jetzt sitze ich auf einer wackeligen Bank draußen an der Küste.“

Da sitzt sie nun. Alleine, den Rest ihres alten Lebens im Rollenkoffer neben sich. Weil ein angekündigter Orkan aufzieht, wird ein junges Pärchen auf sie aufmerksam und die beiden nehmen Bente, wie die Unbekannte von ihnen nun genannt wird, kurzerhand bei sich auf. Aus der einen Nacht werden ein paar Tage, Weiterlesen