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#BloggerfuerFluechtlinge

 

24.08.2015 Ich war noch nie stolz, eine Deutsche zu sein. Diese Art von Stolz, dieser Patriotismus, ist mir fremd. Aber ich war froh, eine Deutsche zu sein. Froh und glücklich, durch das Zusammentreffen von Ort und Zeit hier in Deutschland geboren worden zu sein. Und ich bin es immer noch. Ich bin glücklich, nie hungern gemusst zu haben, ein komfortables Dach über dem Kopf, immer Zugang zu Bildung, Kultur und medizinischer Versorgung zu haben. Das ist ein Privileg. Und es ist ein Privileg, in einem Land zu leben, das Menschen, die Arbeit verloren haben, sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht aus eigener Kraft finanzieren können, aufzufangen versucht. Weiterlesen

Daniela Gerlach – Was das Meer nicht will

Wie fühlt sich eine Frau Mitte vierzig, deren Ehe sich nach zwanzig gemeinsamen Jahren ein- bis abgeschliffen hat und sie sich nur noch in einer Art freundlicher Duldungsstarre befindet? Wenn ihr das Ehegespons mit seiner Fürsorge, seiner Vorsicht und Hang zur Kontrolle tierisch auf den Wecker geht und sie auf die latent lauernden Vorwürfe ihrer Mutter keinen Bock mehr hat?

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Tommy Wieringa – Eine schöne junge Frau

Da hat mich doch der Klappentext auf eine ziemlich falsche Fährte gelockt:

„Er ist ein erfolgreicher Virologe – Arbeiten, Reisen, Affären -, sie eine Soziologiestudentin ohne Abschluss. Die beiden werden ein Paar und heiraten. Doch hier, wo viele Romane enden, beginnt Edwards eigentliche Geschichte erst. Der selbstbewusste Wissenschaftler, der die Versuchstiere eigenhändig tötet, wenn es der Karriere dient, hält Ruths moralischen Anforderungen nicht stand. Edward wird klar, dass sein besseres Ich bei seinem raschen Aufstieg auf der Strecke geblieben ist – für immer?“

Er suggerierte mir, dass seine Frau ihm moralisch überlegen ist. Doch ist das wirklich so? Weiterlesen

Dorian Steinhoff – Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern

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Wie, bitte,  soll man  eine einzige, zusammenfassende Rezension über eine Sammlung von sieben völlig unterschiedlichen Erzählungen verfassen, bei der jede Erzählung für sich genommen irgendwie besonders ist? Ich versuche es trotzdem:

Wir kennen sie alle, diese Situationen, die diesen gewissen einen Punkt markieren, an dem unser Leben eine andere Richtung einschlägt. Dass wir diesen Punkt oft erst im Nachhinein als solchen erkennen, macht die Sache dabei nicht einfacher. Weiterlesen

Christopher Morley – Das Haus der vergessenen Bücher

Dieser Herbst scheint ein richtiger Buchherbst zu werden: es erscheinen viele neue Bücher zum Thema „Bücher“ bzw. „Bücher und Buchhandlungen“. Anlass genug für mich, eine kleine, eigene Lesereihe zu starten – meine „Bücher über Bücher“. Den Anfang macht:

Das Haus der vergessenen Bücher_AtlantikVerlag_HoCa

„Wenn es Sie einmal nach Brooklyn verschlägt, einen Ort, der prachtvolle Sonnenuntergänge und den erhebenden Anblick von Kinderwagen bietet, die von Ehemännern geschoben werden, hoffe ich um Ihretwillen, dass der Zufall Sie auch in jene ruhige Nebenstraße führt, in der sich eine höchst bemerkenswerte Buchhandlung befindet“. (s. 7)

Diese bemerkenswerte Buchhandlung gehört Roger Mifflin, einem kleinen, glatzköpfigen Mann, der das Lesen und seine Leidenschaft für Bücher zum Beruf gemacht hat. Weiterlesen

Yasmina Reza – Glücklich die Glücklichen

YasminaReza_GlücklichdieGlücklichen

Darf man das?

 

 

„Wir waren bei den Wochenendeinkäufen im Supermarkt. Irgendwann sagt sie, stell dich schon mal in die Käseschlange, ich kümmer mich um die anderen Lebensmittel.“

 

Das ist der erste Satz und er macht schon deutlich, wie zielstrebig Yasmina Reza auch in diesem Werk vorgeht. Es wird keine Zeit mit Nebensächlichkeiten verschwendet; es gibt keine Vorbereitung, man ist sofort mittendrin.

 

Mittendrin im Wochenendeinkauf eines modernen Paares, das sich den Einkauf teilt. Vielleicht trinken sie nachher noch gemütlich einen Latte Macchiato, vielleicht haben sie liebgewonnene Rituale, wer weiß. Weiterlesen

Simon van Booy – Die Illusion des Getrenntseins

Die Illusion des Getrenntseins

 

Was der Klappentext verrät:

„Eine kleine Bäckerei in Paris, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Ein Soldat, dem in einem Akt der Güte das Leben geschenkt wird und der damit das Richtige tut. Eine mutige junge Frau, die offene Arme hat für ein Neugeborenes ohne Namen. Und ein Autor, der die Geschichte dieser Menschen in einer wunderbar zarten, eleganten Prosa erzählt – und dabei die unglaubliche Wucht menschlichen Schicksals entfaltet.“

Als Martin schon fast alt genug für die Schule ist, erzählen ihm seine Eltern, dass ihnen vor einigen Jahren, mitten in den Kriegswirren, ein Fremder ein Baby auf den Arm gedrückt hat: ihn selbst. Er braucht Jahre, um seine Herkunft zu begreifen – und er braucht sein ganzes Leben, um dem Mann zu begegnen, der ihn einst gerettet hat. Und auch dann weiß er nicht, wer da vor ihm steht.

Was ich verrate:

Getragen wird die Geschichte von dem Gedanken, dass  all unsere Leben auf irgendeine Weise miteinander verwoben sind.

„Wo wir auch hingehen, wir hinterlassen immer etwas von uns, ob wir es merken oder nicht.“ Weiterlesen

Aus Kindern werden Leute – aber erst mal Pubertiere

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Dieses Buch fiel mir neulich eher zufällig in die Hände (schließlich geht man ja nicht einfach so an einer Buchhandlung vorbei, oder?) – aber alleine der Klappentext ließ mich grinsen und so mogelte sich dieses Buch in meinen Lesenachmittag.

Um es kurz zu machen:

Man findet keine sachdienlichen Hinweise.

Man bekommt ein paar vergnügliche Lesestunden, untermalt von leisem Grinsen, lautem Lachen und zustimmendem Nicken.

Was bleibt, ist das breit-wohlige Gefühl der Genugtuung, dass es auch bei Weiler’s nicht anders zugeht…

Jan Weiler

Das Pubertier

Kindler
07.03.2014
128 Seiten
ISBN 978-3-463-40655-