Mittsommer

Heute ist Mittsommer, Sommersonnenwende, der längste Tag im Jahr, die kürzeste Nacht. Man kann diesen Tag feiern, in dem man sich wie beispielsweise in Schweden blumengeschmückt zum Aufstellen der Maistang trifft, gemeinsam neue Kartoffeln, Hering und Knäckebrot isst – und das Ganze fleißig mit der richtigen Menge Schnaps hinunterspült.
Oder man nutzt diesen längsten Tag und diese besondere Zeit, um ausgiebig zu lesen – thematisch passend zum Beispiel mit dem Sommernachtstraum von William Shakespeare. Oder mit diesen beiden:

Mittsommer_ReclamIn diesem reclam-typisch kleinen Band Mittsommmer – Geschichten  sind auf 96 Seiten ein Gedicht und elf Kurzgeschichten zusammengestellt – völlig unterschiedlich und so bunt, dunkel, melancholisch, nachdenklich und erkenntnisreich wie das Leben selbst. Besonders beeindruckt hat mich der „Sommer“ von Amalie Skram. Die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin wurde 1846 in Norwegen geboren, starb 1905 in Dänemark und gilt als wichtigste weibliche Autorin der skandinavischen naturalistischen Literaturbewegung. In ihrem „Sommer“ schildert sie die Heimfahrt eines Mannes zu seiner Frau, von der er sich eigentlich endgültig trennen möchte. Je näher er seinem Zuhause kommt, desto klarer wird ihm, dass seine Art zu leben und seine Sicht auf die Welt vielleicht doch mehr Einfluss auf das Scheitern seiner Ehe hatte, als er sich bisher eingestanden hat. Amalie Skram spielt auf diesen wenigen Seiten gekonnt mit Emotionen, Rückschlüssen und Blickwinkeln, und am Schluss – ach, das liest mal am besten jeder selbst.

Mittsommer – diese Anthologie mit Geschichten von Selma Lønning Aarø, Ditte Birkemose, Marion Hagen, Vigdis Hjorth, Joakim Kjørsvik, Selma Lagerlöf, Mikael Niemi, Amlie Skram, Gunnar Staalesen, Hanne Marie Svendsen, Zacharias Topelius und Nils-Aslak Valkeapää wurde herausgegeben von Gabriele Haefs und Christel Hildebrandt, erschien im Reclam-Verlag mit der ISBN 978-3-15-010986-1 und kostet
9,80 €. Übersetzt haben Gabriele Haefs, Hannah Kleber, Nora Pröfrock, Christel Hildebrandt, Andreas Brunstermann und Dagmar Mißfeldt.

Thorsson - In den Wind geflüstert

 

Über dieses Buch habe ich hier schon ausführlich geschrieben. Und auch nach den seither vergangenen Monaten sind mir Personen, Handlung und die ganz besondere Stimmung immer noch unglaublich präsent. Nach wie vor eine absolute Leseempfehlung für das Buch, das jede Leseminute wert ist.

 

 

„In den Wind geflüstert“ von Guðmundur Andri Thorsson wurde übersetzt von Tina Flecken, erschien bei Hoffmann und Campe unter der ISBN 978-3-455-40334-3 und kostet 18,00 €.

4 Kommentare

  1. Das ist wirklich ein schönes Kompliment an ein Buch, bei dessen Lektüre jede Leseminute bestens aufgehoben ist. Und ein lustiger Gedanke, demnächst mit Stoppuhr ein Buch zu lesen… Danke für den Tipp!

    • Ich habe das Buch sogar schon zwei Mal gelesen – und es ist jedes Mal zum Seufzen schön.

      Und eine Stoppuhr brauchst du nicht – Zeit vergeht sowieso relativ, je nach Buch.

      Viel Spaß beim Lesen!

      Herzliche Grüße

      Sonja

  2. Hallo Sonja,
    wie schön, Bücher zum Norden, fernab vom mainstream. Ich freu‘ mich daß ich deinen Blog gefunden habe und werde sicher öfter mal vorbei schauen! Viele Grüße aus den Niederlanden, Sabine

    • Liebe Sabine,

      ja, ich habe eine Schwäche für die Nordlichter – und es werden mit Sicherheit im Laufe der Zeit noch einige nordische Werke einen Platz hier auf meinem Blog finden. Und auch auf das nächste Jahr freue ich mich schon sehr: wenn die Niederlande Gastland der Frankfurter
      Buchmesse sein werden.

      Herzliche Grüße, einen schönen Sommer und viel Spaß beim Lesen und Stöbern

      Sonja

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