Kategorie: Zeitgenössisches

Mittsommer

Heute ist Mittsommer, Sommersonnenwende, der längste Tag im Jahr, die kürzeste Nacht. Man kann diesen Tag feiern, in dem man sich wie beispielsweise in Schweden blumengeschmückt zum Aufstellen der Maistang trifft, gemeinsam neue Kartoffeln, Hering und Knäckebrot isst – und das Ganze fleißig mit der richtigen Menge Schnaps hinunterspült.
Oder man nutzt diesen längsten Tag und diese besondere Zeit, um ausgiebig zu lesen – thematisch passend zum Beispiel mit dem Sommernachtstraum von William Shakespeare. Oder mit diesen beiden:

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Daniela Gerlach – Was das Meer nicht will

Wie fühlt sich eine Frau Mitte vierzig, deren Ehe sich nach zwanzig gemeinsamen Jahren ein- bis abgeschliffen hat und sie sich nur noch in einer Art freundlicher Duldungsstarre befindet? Wenn ihr das Ehegespons mit seiner Fürsorge, seiner Vorsicht und Hang zur Kontrolle tierisch auf den Wecker geht und sie auf die latent lauernden Vorwürfe ihrer Mutter keinen Bock mehr hat?

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Tommy Wieringa – Eine schöne junge Frau

Da hat mich doch der Klappentext auf eine ziemlich falsche Fährte gelockt:

„Er ist ein erfolgreicher Virologe – Arbeiten, Reisen, Affären -, sie eine Soziologiestudentin ohne Abschluss. Die beiden werden ein Paar und heiraten. Doch hier, wo viele Romane enden, beginnt Edwards eigentliche Geschichte erst. Der selbstbewusste Wissenschaftler, der die Versuchstiere eigenhändig tötet, wenn es der Karriere dient, hält Ruths moralischen Anforderungen nicht stand. Edward wird klar, dass sein besseres Ich bei seinem raschen Aufstieg auf der Strecke geblieben ist – für immer?“

Er suggerierte mir, dass seine Frau ihm moralisch überlegen ist. Doch ist das wirklich so? Weiterlesen

Doris Knecht – Wald

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„Früher, viel früher: Da brauchte man nur eine gute Ausbildung, man musste nur ein fleißiger Einser-Student sein, man brauchte nur Tüchtigkeit, Durchhaltevermögen, einen Rolodex voller guter Kontakte und viel Kaffee (oder Red Bull oder Koffeintabletten oder Kokain): Dann hatte man Erfolg. Zuverlässig. … Das Rezept hatte nach dem Krieg zu funktionieren angefangen, und dann funktionierte es gut fünfzig Jahre lang gut, und dann funktionierte es wegen ein paar dummgekoksten Wallstreetzockern plötzlich nicht mehr.“

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Alejandro Zambra – Bonsai

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„Am Ende stirbt sie, und er bleibt allein, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias. Sagen wir, sie heißt oder hieß Emilia, und er heißt, hieß und heißt immer noch Julio. Julio und Emilia. Am Ende stirbt Emilia, Julio stirbt nicht. Der Rest ist Literatur:“ (S. 11)

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