Kategorie: Rezensionen

Kat Menschik – Der goldene Grubber

Es gibt Bücher, auf die stößt man mehr oder weniger zufällig. Beim goldenen Grubber war es so, dass ich ihn bei den Recherchen zu Werken der Illustratorin Kat Menschik , die mir in der Reihe „Was macht eigentlich…“ Rede und Antwort stand, entdeckt habe. Und ich war einfach hin und weg. Weiterlesen

Tommy Wieringa – Eine schöne junge Frau

Da hat mich doch der Klappentext auf eine ziemlich falsche Fährte gelockt:

„Er ist ein erfolgreicher Virologe – Arbeiten, Reisen, Affären -, sie eine Soziologiestudentin ohne Abschluss. Die beiden werden ein Paar und heiraten. Doch hier, wo viele Romane enden, beginnt Edwards eigentliche Geschichte erst. Der selbstbewusste Wissenschaftler, der die Versuchstiere eigenhändig tötet, wenn es der Karriere dient, hält Ruths moralischen Anforderungen nicht stand. Edward wird klar, dass sein besseres Ich bei seinem raschen Aufstieg auf der Strecke geblieben ist – für immer?“

Er suggerierte mir, dass seine Frau ihm moralisch überlegen ist. Doch ist das wirklich so? Weiterlesen

Doris Knecht – Wald

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„Früher, viel früher: Da brauchte man nur eine gute Ausbildung, man musste nur ein fleißiger Einser-Student sein, man brauchte nur Tüchtigkeit, Durchhaltevermögen, einen Rolodex voller guter Kontakte und viel Kaffee (oder Red Bull oder Koffeintabletten oder Kokain): Dann hatte man Erfolg. Zuverlässig. … Das Rezept hatte nach dem Krieg zu funktionieren angefangen, und dann funktionierte es gut fünfzig Jahre lang gut, und dann funktionierte es wegen ein paar dummgekoksten Wallstreetzockern plötzlich nicht mehr.“

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Alejandro Zambra – Bonsai

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„Am Ende stirbt sie, und er bleibt allein, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias. Sagen wir, sie heißt oder hieß Emilia, und er heißt, hieß und heißt immer noch Julio. Julio und Emilia. Am Ende stirbt Emilia, Julio stirbt nicht. Der Rest ist Literatur:“ (S. 11)

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Jürgen Bauer – Was wir fürchten

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„Du bist ja paranoid. Halt einfach den Mund und sei still.“

Das ist der Satz, der Georg in seiner Kindheit geprägt hat und der ihn auch durch sein ganzes späteres Leben begleiten wird. Aufgewachsen mit einem psychisch kranken Vater und einer Mutter, die sich aufreibt und auflöst beim Versuch, das Bild der intakten Familie aufrecht zu erhalten und gleichzeitig ohnmächtig zusieht, wie ihr zuerst der Mann und dann der Sohn in den (vermeintlichen?) Wahnsinn entgleiten. Weiterlesen

Helle Helle – Färseninsel

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„Ich suche einen guten Ort, um zu weinen. Einen solchen zu finden, ist gar nicht so leicht. Ich bin mehrere Stunden mit dem Bus gefahren, jetzt sitze ich auf einer wackeligen Bank draußen an der Küste.“

Da sitzt sie nun. Alleine, den Rest ihres alten Lebens im Rollenkoffer neben sich. Weil ein angekündigter Orkan aufzieht, wird ein junges Pärchen auf sie aufmerksam und die beiden nehmen Bente, wie die Unbekannte von ihnen nun genannt wird, kurzerhand bei sich auf. Aus der einen Nacht werden ein paar Tage, Weiterlesen

Bettina Hennig – Ich bin dann mal vegan

Bettina Hennig - Ich bin dann mal vegan

„Glücklich und fit und nebenbei die Welt retten“

So lautet der Untertitel des Buches und ich kann sagen – das Buch führt an diesem Ziel vorbei. Völlig. Nach der Lektüre ist man weder schlauer, noch glaubt man, dass vegan wirklich glücklich und fit macht oder die Welt retten kann. Aber gerade das macht das Buch interessant. Weiterlesen

Sibylle Berg – Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

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Vordergründig geht es in diesem Buch nur um Sex. Genauer um den Sex, den man nicht hat. Und die Frage, ob es einem besser ginge, hätte man ihn. Aber auch um Angst, Sehnsucht, Frust, Langeweile, Ekel, Selbsthass und Verzweiflung. Das Buch hat mich zuerst begeistert, dann irritiert – zurück lässt es mich ein wenig ratlos. Aber der Reihe nach… Weiterlesen

Gudmundur Andri Thorsson – In den Wind geflüstert

Thorsson - In den Wind geflüstert

Kann man auf 175 Seiten eine Geschichte erzählen, in der es eigentlich nur um zwei Minuten geht? Zwei Minuten, in denen nichts passiert, außer dass eine Frau mit dem Rad durch den isländischen Küstenort Valeyri fährt? Ja, man kann. Guðmundur Andri Thorsson kann. Weiterlesen

Hanna Johansen – Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte

Hanna Johansen - Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte

„Ich lerne Klavier spielen. Was dieser Satz bedeutet, weiß ich noch nicht. Es gefällt mir, das nicht zu wissen. Dagegen verwirrt mich, was er früher bedeutet hätte.“

Dieser erste Satz faszinierte mich, machte mich neugierig und ich war gespannt, ob diese Faszination das ganze Buch über anhalten konnte. Weiterlesen