Schlagwort: Liebe

Alejandro Zambra – Bonsai

Bonsai_AlejandroZambra_Suhrkamp

„Am Ende stirbt sie, und er bleibt allein, doch allein war er schon mehrere Jahre vor ihrem Tod, vor dem Tod Emilias. Sagen wir, sie heißt oder hieß Emilia, und er heißt, hieß und heißt immer noch Julio. Julio und Emilia. Am Ende stirbt Emilia, Julio stirbt nicht. Der Rest ist Literatur:“ (S. 11)

Weiterlesen

Sibylle Berg – Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

Berg_24760_MR1.indd

Vordergründig geht es in diesem Buch nur um Sex. Genauer um den Sex, den man nicht hat. Und die Frage, ob es einem besser ginge, hätte man ihn. Aber auch um Angst, Sehnsucht, Frust, Langeweile, Ekel, Selbsthass und Verzweiflung. Das Buch hat mich zuerst begeistert, dann irritiert – zurück lässt es mich ein wenig ratlos. Aber der Reihe nach… Weiterlesen

Jean-Philippe Blondel – 6 Uhr 41

Jean-Philippe Blondel 6 Uhr 41 HANSER

 

Wenn man eine längere Fahrt mit dem Zug vor sich hat, hofft man vielleicht auf etwas Ruhe, Zeit zum Lesen, zum Rausschauen und um die Gedanken fliegen lassen zu können. Was man meist nicht braucht, sind unangenehme Gerüche, Notbremsungen und Sitznachbarn, die einen ohne Luft zu holen zutexten oder einem zu nah auf den Pelz rücken.

Was man an einem frühen Montagmorgen als beruflich erfolgreiche, selbständige Mittvierzigerin nach einem absolut verkorksten Wochenende bei den langsam dem Altersstarrsinn verfallenden Eltern definitiv nicht braucht, ist ein Ex-Partner, der sich auf den einzig noch frei gebliebenen Platz im Abteil setzt – und sich dieser einzig freie Platz (natürlich!) direkt neben einem befindet. Ein Ex-Freund, mit dem man vor fast dreißig Jahren vier Monate lang liiert war, dem man nach dem finalen Wochenende in London allenfalls noch die Pest an den Hals wünschte und ihn in diesem Leben bitte schön nie mehr wiedersehen wollte. Weiterlesen

Yessica Yeti – Aus dem Bauch heraus

Yessica Yeti - Aus dem Bauch heraus

„Dies ist ein Buch über zwei Menschen, die ein Kind bekommen und keine Ahnung haben, wie das geht.“

Das ist ein Punkt, der uns vermutlich eint: beim ersten Kind wissen wir alle nicht, wie das wohl gehen soll. Und was tun wir dann, um uns zu informieren und die endlos lange Wartezeit zu überbrücken, bis dieses unser Wunderwerk endlich das Licht der Welt erblickt? Richtig – wir gehen in die Buchhandlung (zumindest die buchaffinen werdenden Eltern unter uns) und schauen uns nach passender Lektüre um. Weiterlesen

Raija Siekkinen – Wie Liebe entsteht

Siekkinen-Leinen-US-uc.indd

… ist das zweite Buch aus meiner Liste, um mir Finnland zu erlesen. Wieder von einer in Finnland sehr erfolgreichen Autorin, wieder ein Buch in erstmals deutscher Übersetzung.

Wer kennt sie nicht – diese eigenartigen Momente, in denen die Zeit verrinnt und gleichzeitig still steht; in denen der Nebel des Vergangenen sich kurz hebt und man gleichzeitig einen Blick auf das in Zukunft Mögliche hat; dieser Moment, in dem alles um einen herum eine ungewöhnliche Schärfe und bisher unbekannte Bedeutung bekommt. Weiterlesen

Simon van Booy – Die Illusion des Getrenntseins

Die Illusion des Getrenntseins

 

Was der Klappentext verrät:

„Eine kleine Bäckerei in Paris, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Ein Soldat, dem in einem Akt der Güte das Leben geschenkt wird und der damit das Richtige tut. Eine mutige junge Frau, die offene Arme hat für ein Neugeborenes ohne Namen. Und ein Autor, der die Geschichte dieser Menschen in einer wunderbar zarten, eleganten Prosa erzählt – und dabei die unglaubliche Wucht menschlichen Schicksals entfaltet.“

Als Martin schon fast alt genug für die Schule ist, erzählen ihm seine Eltern, dass ihnen vor einigen Jahren, mitten in den Kriegswirren, ein Fremder ein Baby auf den Arm gedrückt hat: ihn selbst. Er braucht Jahre, um seine Herkunft zu begreifen – und er braucht sein ganzes Leben, um dem Mann zu begegnen, der ihn einst gerettet hat. Und auch dann weiß er nicht, wer da vor ihm steht.

Was ich verrate:

Getragen wird die Geschichte von dem Gedanken, dass  all unsere Leben auf irgendeine Weise miteinander verwoben sind.

„Wo wir auch hingehen, wir hinterlassen immer etwas von uns, ob wir es merken oder nicht.“ Weiterlesen

Doris Knecht – Besser

„Die Kaufmanns haben sich getrennt. Ich konnte es gar nicht glauben. Sie haben erst im August geheiratet, mit einem großen Fest. Es war schön, schöner als meine eigene Hochzeit, leichter, lockerer, rührender. Wahrscheinlich, weil ich nur Gast war und Publikum, ganz unangespannt. Ich denke nicht sehr gern an meine Hochzeit, vielleicht, weil ich damals die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass Adam hereingelegt wird. Von mir.“

Zack! Beim Lesen der ersten Zeilen ahnt man’s, spätestens nach der zweiten Seite weiß man’s: „Besser“ ist nichts für Romantiker. Doris Knecht nennt die Dinge beim Namen – glasklar, schonungslos und unmissverständlich. Und gerade diese Sprache ist es, die es mir so angetan hat; die eine unglaubliche Präsenz der Charaktere und ihrer Verflechtungen miteinander schuf; die mich gebannt die Geschichte bis zum Ende verfolgen ließ. Es ist kein gemütliches Buch: es ist aufwühlend, nachdenklich machend, Fragen aufwerfend; im einen Moment möchte man laut lachen, während einem beim unmittelbar nächsten Satz eben dieses Lachen im Halse stecken bleibt.

Antonia Pollak lebt das auf Hochglanz polierte Vorzeigeleben eines „BoBo’s“ – glückliche Ehe, fürsorglicher Ehemann, keine Geldsorgen, eigenes Atelier, zwei gut geratene Kinder. Man trifft sich mit guten Freunden zum Essen, Trinken und Diskutieren. Alles geordnet, alles schön, alles passt.

Aber als Leser weiß man mehr. Weiterlesen