Yessica Yeti – Aus dem Bauch heraus

Yessica Yeti - Aus dem Bauch heraus

„Dies ist ein Buch über zwei Menschen, die ein Kind bekommen und keine Ahnung haben, wie das geht.“

Das ist ein Punkt, der uns vermutlich eint: beim ersten Kind wissen wir alle nicht, wie das wohl gehen soll. Und was tun wir dann, um uns zu informieren und die endlos lange Wartezeit zu überbrücken, bis dieses unser Wunderwerk endlich das Licht der Welt erblickt? Richtig – wir gehen in die Buchhandlung (zumindest die buchaffinen werdenden Eltern unter uns) und schauen uns nach passender Lektüre um. Dort werden wir dann erschlagen von Bildbänden, Erfahrungsberichten, Sammelwerken und  Ratgebern von Fachleuten aus allen möglichen und unmöglichen Bereichen. Eh schon überwältigt vom überkochenden Hormonchaos, wühlen wir uns durch Bücherwelten in Pastell, große Kinderkulleraugen schauen uns von überall her an und propere Nackedeis strahlen mit augenringefreien und schlankstraffen frischgebackenen Müttern um die Wette.

Und dann kommt da so ein Yessica Yeti. Richtig, EIN Yessica. Eigentlich heißt er Christian, ist schon über vierzig und wollte eigentlich nie Kinder. Er lebt seit „25 Jahren in einer pausenlosen Dauerbeziehung mit wechselnden Partnerinnen. Und hat immer allein gewohnt. Bis vor zwei Jahren. Da kam Lili. Dann fing sein Leben noch mal an.“

Yessica macht in Musik, mit allem, was dazu gehört.  Also, er „schreibt Musik, schreibt über Musik, schreibt über Menschen, die Musik machen…“ und macht Musik. Punkrock. Genau so klingt auch sein Buch: wenn die meisten anderen Bücher zu diesem Thema eher als Pop-Symphonien angelegt sind – bei Yessica rockt die Schwangerschaft.

Man findet hier keine wohlgemeinten, allwissenden Ratschläge und liest sich nicht in der hundertsten Variation durch die Chronologie einer Schwangerschaft. Yessica schreibt, was ihm in den schwangerschaftsvernebelten Sinn kommt. Er lässt uns teilhaben an seinen leise nagenden Zweifeln, seinem eigenen sich mehrenden Bauchumfang, seiner Gefühlsachterbahn, die ihn oft genug und ungefragt in bisher unbekannte emotionale Ausnahmezustände katapultiert (zum Beispiel beim obligatorischen „Babykino“ Ultraschall), seiner Angst, seiner Freude und seinem Stolz. Das alles nicht sortiert, dafür höchst subjektiv; kein literarisches Meisterwerk, dafür aber unterhaltsam, wohltuend ehrlich und oft einfach herrlich komisch.

Und wenn am Ende dann dieser verrockte Yessica das erste Zusammentreffen mit seiner Tochter schildert – dann wird es doch noch richtig rührend.

„Roswitha kommt rein, mit einem Päckchen im Arm. Ich erkenne das Päckchen. Es ist winzig und aus Glück gemacht.“

„Aus dem Bauch heraus. Eine Autobabygrafie“ von Yessica Yeti ist nicht zwischen pastell, sondern zwischen schwarz-weiß zu haben. (Ok, ein bisschen pink ist auch dabei. Aber wirklich nur minimal.) Wenn man es selbst kaufen und lesen oder guten schwangeren Freunden schenken möchte, ist es für 9,99 € beim Buchhändler um die Ecke zu haben. Er findet es unter der ISBN 978-3-8321-6264-1 und verlegt wurde es vom Verlag DuMont.

Über den Autor:

Yessica Yeti ist Musiker, Medienschaffender, Moderator, Journalist, Rheinländer, Pop-Kolumnist, Werbetexter und Vater. 1990 gründete er die Punkpop-Band Yeti Girls. Neben seinen kultisch verehrten Kolumnen für unclesally*s, Piranha und Greatest Berlin verfasste er unzählige musikjournalistische Beiträge, Künstlerbiografien und ›Zirkus – das Buch‹, die Tour-Retrospektive der Band MIA. Aktuell arbeitet Yessica Yeti als Werbetexter, Kolumnist und Musiker in seiner Wahlheimat Berlin.

 

 

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