Überraschung im Detail

Wolf Haas, Brennerova

Kennt ihr die sogenannten „Easter Eggs“ von Google? Das sind kleine Grafiken oder sonstige Gimmicks, die Google-Entwickler irgendwo auf ihren Seiten versteckt haben – ohne weiteren Nutzen, einfach nur zu dem Zweck, Freude zu verbreiten.

Was das jetzt mit Büchern zu tun hat? Eigentlich nichts. Aber manchmal stoße ich beim Lesen auch auf so eine Art „Easter Egg“: Kleine, feine Details, die keinen wirklichen zusätzlichen Nutzen haben, aber mein bibliophiles Herz erfreuen, weil sie schlichtweg schön und einfach überraschend sind.

Überraschendes als gestalterisches Merkmal

Jetzt gibt es ja Bücher wie „Das Schiff des Theseus“, das schon per se wie ein riesengroßes Überraschungs-Ei angelegt ist mit seiner Erzählstuktur auf mehreren Ebenen und den vielen Einlegern, die alle für sich genommen schon kleine Kunstwerke sind (Mariki vom Bücherwurmloch war davon so begeistert, dass sie diesem Buch ein großes Special gewidmet hat).

Das Schiff des Theseus

„Das Schiff des Theseus“ von J. J. Abrams und Doug Dorst, übersetzt von Tobias Schnettler und Bert Schröder, erschien im Verlag Kiepenheuer & Witsch unter ISBN 978-3-462-04726-4

 

Das Überraschende steckt manchmal im Detail

Aber das meine ich nicht. Ich meine die kleinen Details, die gar nicht so spektakulär sind und die man vielleicht im ersten Moment gar nicht so wahrnimmt. Um die sich aber im Vorfeld schon jemand einige Gedanken gemacht haben muss und vermutlich auch eine Menge Spaß dabei hatte.

So hatte ich Dan Roams „Auf der Serviette erklärt“ bestellt, ein empfehlenswertes Buch über die Möglichkeit, komplexe Probleme mit Hilfe von Bildern entschlüsseln auf auflösen zu können. Die Initialzündung dazu entstand auf einer Reise und mangels Alternative zeichnete Dan Roam seine Notiz auf dem Erstbesten, was ihm zur Verfügung stand: einer einfachen Serviette.
Ich bekam dieses Buch in Folie eingeschweißt ausgehändigt. Zu Hause „entwickelte“ ich es und stellte fest, dass der Einband genau wie der Rand einer Serviette geprägt war – ich weiß nicht, wie es euch da geht, aber ich habe mich darüber amüsiert.

Dan Roam, Auf der Serviette erklärt

„Auf der Serviette erklärt“ von Dan Roam, übersetzt von Jordan Wegberg, erschienen im Redline Verlag unter der ISBN 978-3-86881-016-5

Ganz große Augen gemacht habe ich, nachdem ich „Brennerova“ von Wolf Haas gelesen habe. Jetzt ist alleine das Lesen seiner Bücher schon immer ein Erlebnis – aber richtig überrascht war ich, als ich das Buch danach ins Regal stellen wollte. Vorher nahm ich aus irgendwelchen Gründen den Umschlag ab – da knurrte mich doch vom Buchdeckel tatsächlich ein Wolf an! Und wo der Wolf ist, kann natürlich in diesem Fall der Haas nicht weit sein: Den fand ich dann auch. In der unteren Ecke des hinteren Buchdeckels. 😉

Wolf Haas, Brennerova„Brennerova“ von Wolf Haas erschien im Verlag Hofmann und Campe unter der ISBN 978-3-455-40499-9

Habt ihr auch schon solche überraschenden Details in Büchern entdeckt?

5 Kommentare

  1. Oh ja, EasterEggs sind immer wieder lustig und irgendwie auch spannend. Manchmal, wenn Zeit ist, dann bau ich auch welche in meine Software ein.

    Ich fand das „Easter Egg“ in „Die Zukunft des Mars“ von Georg Klein sehr gelungen. In der Geschichte schreibt der Protagonist ein Tagebuch auf leere Seiten, am Ende eines anderen, nicht ganz ausgefüllten Buches. Und auch „Die Zukunft des Mars“ hat am Ende Leerseiten. Ein sehr schönes Detail, das mir auch erst später aufgefallen ist.

    Würde mich interessieren, was so bei anderen Büchern verborgen ist.

    Liebe Grüße und ein schöner Beitrag
    Tobi

    • Ich bin auch sehr gespannt, ob und was bei anderen Büchern noch so gefunden werden kann. Vielleicht gibt es noch ein paar Kommentare dazu – dann könnte man damit den Artikel ergänzen.

      Und wie machst du das, wenn du EasterEggs versteckst? Kommt dir dann thematisch eine passende Idee oder hast du immer schon etwas im Hinterkopf und wartest nur auf das passende Nest? 🙂

      Liebe Grüße
      Sonja

  2. Hey,

    sehr schöner Blog!
    Als ich den Titel des Artikels sah, musste ich tatsächlich sofort auch an Brennerova denken, mir erging ähnlich wie dir 🙂 Allerdings habe ich den Umschlag – ist eine Angewohnheit von mir – schon vorm Lesen abgenommen. Das fand ich sehr spannend, weil es gleich einen ganz anderen Eindruck erweckt als der äußerliche Umschlag.
    Schon eine sehr raffinierte Geschichte, die sich der Autor da einfallen hat lassen. Passt zum guten Buch 🙂

    Viele Grüße
    Fabian

    • Danke – und ich freue mich, dass es dir hier gefällt.

      Und ja, du hast vollkommen recht, Fabian: Der Umschlag lässt eine völlig anderee Art der Story vermuten.
      Hast du Wolf Haas schon mal live erlebt? Das ist auch ein Erlebnis der ganz besonderen Art☺️

      Herzliche Grüße

      Sonja

  3. Ich habe in den Büchern von Kai Meyer damals mal ein wunderschönes Lesezeichen gefunden und ein anderes mal eine Origami Figur.
    Das macht das Lesen einfach noch schöner!
    Überraschungen machen das Leben schließlich interessant 🙂

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