Schlagwort: Wahrheit

Jürgen Bauer – Was wir fürchten

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„Du bist ja paranoid. Halt einfach den Mund und sei still.“

Das ist der Satz, der Georg in seiner Kindheit geprägt hat und der ihn auch durch sein ganzes späteres Leben begleiten wird. Aufgewachsen mit einem psychisch kranken Vater und einer Mutter, die sich aufreibt und auflöst beim Versuch, das Bild der intakten Familie aufrecht zu erhalten und gleichzeitig ohnmächtig zusieht, wie ihr zuerst der Mann und dann der Sohn in den (vermeintlichen?) Wahnsinn entgleiten. Weiterlesen

Thomas Klugkist – Hanna und Sebastian

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Im Frühjahr konnte man sich beim Verlag C.H.Beck um ein Rezensionsexemplar des Buches „Hanna und Sebastian“ von Thomas Klugkist bewerben. Der Klappentext versprach:

„Dieser sinnlich-virtuose Roman, das literarische Debüt von Thomas Klugkist, erzählt in Briefen, Mails und SMS von einem rückhaltlosen Liebes- und Beziehungsexperiment.“

Das hatte meine Neugierde geweckt; vor allem, weil die Idee, einen Roman nicht in Erzählform, sondern in Brief-, SMS- oder Mailsequenzen zu verfassen, nicht neu ist. Ich habe „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer gelesen (ganz nett) und im letzten Jahr folgte „Warte auf mich“ vom Autorenpaar Philipp Andersen und Miriam Bach (schon besser).

Entsprechend gespannt war ich, wie ein Mann, der seine Dissertation über Thomas Manns „Doktor Faustus“ schrieb, sich diesem Thema nähert.

Und es war – anfangs seltsam, manchmal irritierend, häufig anstrengend. Aber auch intensiv berührend und dauerhaft die Gedanken zum Fliegen bringend. Schwer beschreibbar.

Ich habe lange überlegt, wie ich eine Rezension verfassen kann, die dem Buch gerecht wird und gleichzeitig meine persönlichen Leseeindrücke zusammenfasst. Mir kam die Idee, dass die Form des Briefwechsels vielleicht angemessen sei – und wer wäre dazu wohl besser geeignet, als der Autor des Buches selbst? In einem meiner impulsiv-wagemutigen Momente schrieb ich ihn kurzerhand an. Und was soll ich sagen… Das kam dabei heraus:

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Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte

 

 

„Geschichte ist die Ungewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen.“

 

 

Wie wurden wir zu dem, was wir heute sind?

Wie wahr ist unsere Vergangenheit, unsere Erinnerung daran oder das, was wir dafür halten?

Tony Barnes, der sein Arbeitsleben bereits hinter sich gelassen hat und in seinen wohlverdienten Ruhestand starten will, wird durch eine unerwartete Erbschaft plötzlich  gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit oder vielmehr mit dem, was er bisher dafür hielt, auseinanderzusetzen. Ihm, der wie er im Laufe der Geschichte selber feststellen muss, dem das Leben und seine Besonderheiten immer irgendwie passiert sind, der sich mit den Entwicklungen  immer nur arrangiert hat und sich den Gegebenheiten nur zu gerne fügte. Weiterlesen