Bloggerleben – Warum blogge ich?

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Warum blogge ich eigentlich?

Eine Frage, auf die ich die letzten Tage eine Antwort gesucht habe, die den Kern meines Antriebs, über Bücher und Literatur zu bloggen, so präzise wie möglich trifft. Natürlich stellt man sich diese Frage schon zu Beginn – dann, wenn man den Entschluss fasst, überhaupt bloggen zu wollen. Die Beantwortung ist an diesem Punkt noch ziemlich einfach:

„Weil es so viele gute Bücher gibt. Weil ich darüber schreiben will.“

Hinzu kommt, dass ich kein Fan von Bestsellerlisten bin – im Gegenteil, ich meide sie, wo ich kann. Es hat mich immer schon geärgert, dass in nahezu allen größeren Buchhandlungen die immer gleichen Bücher ausliegen, die auch noch überall auf die gleiche Art beworben und besprochen werden. (Anm.: Dass dies regional sehr unterschiedlich ist, versteht sich bitte von selbst.) Auch bei Verlagsvorschauen kann man davon ausgehen, dass ich fast alle Bestsellerfavoriten erst einmal ignoriere, durchwinke und erst beim zweiten oder dritten Mal einen Blick riskiere. Das führt automatisch zur nächsten Begründung:

„Weil es zu viele gute Bücher jenseits der Bestsellerlisten gibt, von denen ich finde, dass sie es wert sind, beachtet und gelesen zu werden – und das möchte ich mit den Lesern draußen teilen“.

Nur positive Rezensionen – kostet das Glaubwürdigkeit?

Und so fing ich an zu bloggen und schrieb frank und frei meine Einschätzungen munter in die Welt hinaus, mit nichts als der Intention, interessierten Lesern Lust auf eben diese Bücher zu machen. Lust, sie zu lesen. Frei nach dem Motto „das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher“ verzichtete ich darauf, auch die Bücher ausführlich vorzustellen, die ich abgebrochen habe (extrem wenig) und auch die, die mir wenig bis gar nicht gefallen haben. Schlichtweg aus dem Grund, weil ich meine Zeit nicht opfern wollte für das Erstellen von Beschreibungen zu Büchern, denen ich eh keine Lese-Empfehlung aussprechen würde. Damit konnte ich eine Zeit lang auch sehr gut leben. Irgendwann aber keimte Zweifel in mir auf. Können sich die Leser, die meinem Blog über längere Zeit folgen, wirklich ein Bild von mir als Blogger machen, wenn ich nur positiv bewertete Bücher vorstelle? Ist das nachvollziehbar? Wissen sie das, können sie das einschätzen? Oder wird es irgendwann beliebig und austauschbar? Werden Leser dieses Blogs irgendwann das Gefühl haben, sie seien auf einer Werbeveranstaltung? Können sie meine Einschätzung ernst nehmen? Bin ich glaubwürdig für sie?

Denkanstöße

Die Gründe, warum ich mir diese Fragen wieder neu stellte, sind ein paar Artikel und Ereignisse der letzten Woche. Zum Beispiel fragte Mara von buzzaldrins bücher in ihrem Artikel „Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen“, ob es anderen Lesern auch so schwer falle, begonnene Bücher abzubrechen. Auf meine Antwort hin (dass ich bisher nur drei Bücher abgebrochen habe, weil ich immer darauf hoffe, dass der Autor sich etwas dabei gedacht hat, das sich erst am Ende offenbart) fragte sie mich, ob ich über diese Bücher auch auf meinem Blog berichte. Nein, habe ich nicht bisher. Aus den eingangs genannten Gründen.

Dann wurde in der letzten Woche ein Artikel sehr eifrig und sehr scharf diskutiert, der bereits vor einiger Zeit erschien und in dem ein Bloggerkollege sein höchst subjektives Auswahlverfahren offenbarte – bei ihm entscheiden die Autorenfotos in Klappentexten mit, bevorzugt die von jungen, hübschen Autorinnen. Darüber kann man jetzt denken (und urteilen), wie man will – erstaunt hat mich die Art und Weise, wie es in öffentlichen Foren behandelt wurde. Ganz interessant fand ich dabei das Vorgehen von Personen, die das Schreiben professionell betreiben, über eine große Reichweite im Netz verfügen und einen entsprechenden Status innehaben, diesen (an sich für die Blogger- und Literaturwelt unerheblichen) Beitrag auf ihrer Facebook-Chronik zu teilen. Nicht, um damit aktiv eine Auseinandersetzung über Sinn, Unsinn oder mögliche Ableitungen zu führen, sondern, so erschien es mir, nur um seinem Gefolge die Möglichkeit zu geben, kübelweise Häme über den Verfasser des Ursprungsbeitrages schütten zu können. Das wirkte auf mich sehr befremdlich und deplatziert. Unnnötig. Ich hätte da schlichtweg einen professionelleren Umgang erwartet – so, wie ihn saetzebirgit vom Blog Sätze und Schätze mit ihrem Beitrag vorgelegt hat, in dem sie fragt: „Sollte es einen Code für Literaturblogs geben?“. Artikel drei, der meinem Gedankenkarussel einen kräftigen Tritt verpasst und mich ebenfalls nötigte, mich und meine Sicht auf verschiedene Dinge, meine Art zu bloggen, zu überdenken.

Diesen Artikel möchte ich allen Interessierten ganz unbedingt ans Herz legen; möchte sie bitten, sich die Zeit für den gesamten eindringlichen Text und aller folgenden Kommentare zu nehmen (meinen kann man in diesem Zusammenhang dann ruhig auslassen). Ein Beitrag, der vermutlich entstanden ist, um sich die erste Verärgerung und die daraus entstandenen Konsequenzen von der Seele zu schreiben und in dessen Kommentarverlauf sämtliche Facetten des Bloggerdaseins beleuchtet werden; die Sonnen- und die Schattenseiten, die Fallstricke, immer wiederkehrende Ressentiments – und das alles ohne faden Beigeschmack. Für mich ein wirkliches Highlight.

Blogs und Feuilleton – furchtbar oder fruchtbar?

Da geht es um Dinge wie die unnötige Diskussion um die Frage, ob und in wie weit die Bloggosphäre dem klassischen Feuilleton den Rang abläuft. Ich habe an anderer Stelle schon oft meine Meinung dazu kundgetan, nämlich nein, die Voraussetzungen und Intentionen sind völlig andere. Ein Literaturkritiker bewertet nach festgelegten, bekannten und nachvollziehbaren literaturwissenschaftlichen Kriterien. Sein Ergebnis ist nicht geleitet vom emotionalen Empfinden – er setzt sich wissenschaftlich mit dem Text auseinander und danach bewertet er ihn. Anders bei den vielen unterschiedlichen Blogs, die von den unterschiedlichsten Personen bestückt werden, jeder mit seinem persönlichen Schwerpunkt, mit seiner persönlichen Note und seinem dazu passenden Leserkreis.

Wie frei ist frei?

Oder die Frage nach gefühlter Freiheit und tatsächlicher Abhängigkeit. Den Buch- oder Literaturblogger umweht immer noch der Mief des penetrant nervigen Leseexemplar-Abstaubers, dessen Besprechungen sich im Abschreiben von Klappentexten erschöpfen und sich nun, den Möglichkeiten des www. sei Dank, öffentlich wichtig machen können; geprägt vermutlich durch das vor Jahren schon entstandene Bild der vielen Amazon-Rezensenten mit sämtlichen Machenschaften im Hintergrund.

Aber die Zeiten haben sich gewandelt; der ganze Buchmarkt verändert sich – und so sind auch die Blogs ins Zentrum des Interesses der Verlage gerückt. Jetzt ist es aber entgegen der weitverbreiteten Annahme nicht so, dass der Postbote jeden Tag karrenweise Novitäten vor die Türe kippt und man als Blogger sich durch diese Bücherflut lesen und gefällig und gefälligst darüber schreiben muss. Zumindest bei mir nicht. Alleine aus Kostengründen sind die Verlage am persönlichen Kontakt interessiert und um die Streuverluste so gering wie möglich zu halten, werden die Rezensionsexemplare auf Anfrage verschickt (wenn denn welche zur Verfügung stehen). Natürlich bilden sich mit der Zeit bestimmte Präferenzen bzgl. der Verlage heraus, davon wird sich wohl niemand freisprechen können. Das liegt aber eher nicht an der besonders netten Art der Kommunikation (oder weil sie so schön zum Treffen auf der Buchmesse geladen haben), sondern eher an den eigenen Lese-Vorlieben. Das erklärt auch die Tatsache, warum ich, die ich meine Bücher entweder selbst kaufe oder eben anfordere, meistens Glück habe und die Bücher einfach oft Treffer sind, im positiven Sinne.

Pflicht zur Kritik?

Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke mit den vielen geführten Diskussionen um diese Themen, fühle ich mich von den Verlagen noch am allerwenigsten unter Druck gesetzt. Eigentlich fühle ich mich eher herausgefordert, mich gegenüber Berufsschreibern oder Journalisten mit ihren Forderungen nach mehr Fähigkeit zur Kritik, mehr Substanz erklären oder beweisen zu müssen, als ginge es dabei um eine Art von Legitimation für mein Tun. Wobei „müssen“ natürlich das falsche Wort ist – ich muss nichts, gar nichts, da ich als Blogger nichts und niemanden gegenüber zu irgendetwas verpflichtet bin – außer mir gegenüber. Meiner selbstgewählten Funktion als Blogger gegenüber mit meinen Werten, meinen Maßstäben und meinen selbst definierten Zielen. Und dem Leser, dem ich eine Orientierung zwischen den vielen Büchern bieten will.

Prototyp

Nach den ganzen Ausschweifungen komme ich dann jetzt endlich wieder zur Eingangsfrage zurück – und werde in der nächsten Zeit testen, wie es ist, auch über die abgebrochenen oder nicht empfehlenswerten Bücher zu schreiben, ob und wie es zeitlich passt, ob sich dadurch etwas ändert.

Allen, die bis hierher durchgehalten haben, herzlichen Dank. Und über Meinungen zum Thema, auch gerne konträr, freue ich mich. Immer.

15 Kommentare

  1. Liebe Sonja,
    leider habe ich heute nicht soviel Zeit, um jetzt ausführlich auf Deinen tollen Beitrag zu reagieren – aber erst einmal als spontane Kurzreaktion: Tausend Dank für Deine Worte zu meinem Codex-Beitrag…
    Das hat mich wieder einmal beruhigt…denn meine Intension war es ja wirklich nicht, Häme über einzelne Bloggerkollegen“ zu schütten, sondern einfach, so wie Du jetzt auch, auch aus meiner Sicht zu formulieren, warum und wieso ich blogge, was ich erwarte (von mir und auch von den Blogs, die ich lese), aber eben auch, was mir an manchmal nicht so schönen Entwicklungen auffällt. Ich werde heute abend oder morgen Deinen Beitrag noch mal in Ruhe lesen und versuchen, besser darauf einzugehen. Jetzt erst einmal vielen Dank – und hoffentlich eine fruchtbare Diskussion!
    Liebe Grüße, Birgit

    • Liebe Birgit,

      keine Ursache. Und wie du siehst, konnte man sehr gut herauslesen, worum es dir im Kern ging. Ich habe mir den Beitrag mit seinen Kommentaren mehrmals durchgelesen – und es machte echt Spaß, den Verlauf zu verfolgen.

      Herzliche Grüße

      Sonja

  2. Pingback: Augustus und die Zensur: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist… | Sätze&Schätze

  3. Liebe Sonja,
    danke für den ausführlichen und reflektierten Beitrag. Ja, warum blogge ich? Es ist – jedenfalls in meinem Fall – der Wunsch sich mitzuteilen, auch eine gewisse Hoffnung auf den Dialog über die besprochenen Bücher. Freiexemplare besorge ich mir nur gelegentlich, dann muß man sich aber tatsächlich aktiv bemühen; eine Marketingabteilung hat mich erst einmal angeschrieben, um mir ein zum „Profil Ihres Blogs passendes Buch“ anzubieten. Es paßte zwar, war aber doch eher enttäuschend. Das habe ich auch geschrieben.
    Die Blogs, die ich kenne und lese, haben zwar durchaus unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte und Beitragstypen, aber sind stets sachlich um Buch, Autorin und Zusammenhang bemüht. Das ist mir auch für meinen Blog wichtig. Trotzdem nenne ich ein Buch auch einmal „gräßlich“.
    Ich breche übrigens sehr selten ab, mache aber durchaus mal eine mehrmonatige Lesepause, wenn ich die Lektüre zu zäh finde.
    Viele Grüße
    Norman

    • Lieber Norman,

      danke für deine ausführliche Antwort.

      Deine „gewisse Hoffnung auf den Dialog über die besprochenen Bücher“ kenne ich und teile sie auch. Leider scheint das Procedere mit Anmeldung bzw. dem Hinterlegen der E-Mail-Adresse eine große Hemmschwelle darzustellen für Leser, die nicht gleichzeitig auch Blogger sind.
      Ich persönlich finde, dass man ruhigen Gewissens auch ein Buch als „gräßlich“ betiteln darf. Oder auch muss. Wenn man denn auch einen Grund dafür nennen kann. Prinzipiell habe ich auch gar keine Berührungsängste mit negativen Kritiken. Zu Beginn meiner Bloggerzeit habe ich, so glaube ich, auch zwei geschrieben – eine sogar zu einem Buch, bei dem ich vermutlich mit meiner Meinung ganz alleine dastand. Und das habe ich mir später einfach geschenkt und mich dann nur auf die Empfehlungen fokussiert.
      Was ich allerdings gar nicht leiden kann, sind Verrisse um des Verrisses wegen, die dann eher einem Rachefeldzug gleichen. Aber ich denke, davon ist bei einer „negativen Kritik“ auch nicht die Rede.

      Lesepausen lege ich auch schon mal ein. Meistens hat man schon im Gefühl, dass das Buch an sich nicht schlecht ist – nur der Zeitpunkt falsch.

      Herzliche Grüße zurück

      Sonja

  4. Liebe Sonja,
    vielen DANK für Deinen sehr reflektierten und reflektierenden Beitrag zum Thema Bloggen, Bloggerselbstverständnis und Blogstilvarianten sowie für den Hinweis auf Birgits „Code für Literaturblogs“.
    Ich habe ALLES mit lebhaftem Interesse gelesen.

    Gelegentlich – nicht chronisch – schreibe ich eine negative Buchkritik. Wenn Du magst, kannst Du unter nachfolgendem Link eine anregende KOSTPROBE meiner spitzen Feder nehmen:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/feuchtgebiete/

    Gutenachtgruß!
    Ulrike von Leselebenszeichen

    • Liebe Ulrike,

      bei diesem Buch konntest du dich ja so richtig austoben… Deine Besprechung ist dann das einzig Positive, was ich dem Buch abgewinnen kann.
      Ich habe das Buch nur quergelesen. Das reichte mir schon, um zu wissen, dass ich darüber noch nicht einmal einen Verriss schreiben wollte.

      Herzliche Grüße

      Sonja

  5. Kirsten W.

    Moinsen, liebe Sonja,

    ich darf mal aus der Warte der Konsumentin antworten. Warum suche ich nach und stöbere ich in Blogs, die sich mit Literatur beschäftigen?

    1.
    Amazon-Rezensionen sind oft bloße Lobhudeleien, die mich das ein oder andere Mal in die Irre geleitet haben.

    2.
    Die herkömmlichen Bestsellerlisten „Belletristik“ sagen nur etwas über den Verkaufswert aus. Oft ist der diametral entgegengesetzt zum literarischen Wert. Manche Machwerke sind dem aktuellen Trend geschuldet, den diese elenden Listen nur noch befeuern. Denn es scheint Autoren/Autorinnen zu geben, die sich als Wellenreiter gefallen.

    3.
    Bei den Feuilletons gewinne ich oft den Eindruck, dass etablierte Autoren und renommierte Verlage abgefeiert werden. Es sind auch nahezu immer die gleichen Werke, die zeitgleich in allen Blättern und „auf allen Kanälen“ besprochen werden. Hier der neue Oz, da der neue Oz. Hier „Löwen wecken“ als Tipp, da „Löwen wecken“ als Empfehlung.
    Sicherlich pauschaliere ich hier in vermutlich unzulässiger Weise. Aber ich darf das. Ich bin Konsumentin. Ich bestimme, was mir vor die Brille kommt. Und ich fühle mich vom Feuilleton gelangweilt. So.

    4.
    Blogs können hier Abhilfe schaffen. Sie sind zwar unterschiedlicher Qualität, was aber oft nichts mit der Qualität der Rezensionen, sondern mit den divergierenden Geschmäckern zu tun hat. Die Suche ist mühsam, aber lohnt sich immer dann, wenn man einen Blog findet, der neuen Büchern nachspürt, die den eigenen Leseprämissen entsprechen könnten. Dann heißt es: „Versuch macht kluch!“ Helle Helle ist bestellt …

    5.
    Absolut hilfreich finde ich es, wenn ein solcher Blog auch negative Rezensionen veröffentlicht. Ich werde gerne von schlechten Büchern abgehalten. Das ist nicht nur „rausgeschmissenes Geld“, sondern auch verschwendete Lebenszeit. Und das nehme ich wirklich übel, weil das eine Form des Kidnappings ist, wenn einem jemand die Zeit stiehlt. Leider liegt das ein Stück weit an mir, dass Zeit verloren geht, weil ich Bücher erst spät aufgebe und aus der Hand lege, wenn sie mir nicht gefallen.
    Was spricht noch für negative Rezensionen? Anhand der guten, wie auch der schlechten Buchkritiken kann ich besser beurteilen, wie die Bloggerin/der Blogger „tickt“. Negative Rezensionen sind hier nicht minder wichtige Orientierungshilfen.

    Ergo: Blogs können den Unterschied machen und zu echten Entdeckungen führen, über die das etablierte Gesumsel hinwegquasselt, weil es „auf Nummer sicher“ geht und das Herkömmliche oder bereits Erfolgreiche bespricht, von dessen Strahlkraft man sich ggf. mehr Auflage oder Einschaltquote verspricht.

    In diesem Sinne beste Grüße und fröhliches Verreißen (natürlich nur mit Argumenten)
    Kirsten

    • Danke, Kirsten,

      für deine ausführliche Antwort. Ich freue mich immer, wenn sich Leser zu Wort melden und ihre Einschätzungen mitteilen (was leider viel zu selten vorkommt).

      Amazon-Rezensionen haben für mich auch überhaupt keine Relevanz. Erstens sind sie meist viel zu wenig aussagekräftig und zweitens gefällt mir die Art und Weise drumherum nicht. Es gibt zwar einige echt gute Rezensenten darunter (warum die sich dann ausgerechnet dort tümmeln müssen, ist mir absolut schleierhaft), aber wegen diesen mache ich mir nicht die Mühe, dort nachzulesen. Ich habe schon genug damit zu tun, bei meinen Bloggerkollegen nachzukommen…

      Die kleinen Verlage zu entdecken finde ich ja auch immer aufregend. Da wirst du hier zwischendurch immer mal wieder fündig werden. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte ich zum Herbst eigentlich mal eine kleine Vorschau zusammenstellen. Als Appetizer, sozusagen.

      Dann bin ich gespannt, wie dir Helle Helle gefällt.

      Leselustige Grüße

      Sonja

  6. Liebe Sonja,
    nun wollte ich mich noch – wie angekündigt – ausführlicher zu Deinem Beitrag äußern und finde diesen klasse Kommentar von Deiner Leserin Kirsten vor, der mir dermaßen aus der Leserseele spricht: Dem gibt es eigentlich aus meiner Sicht nicht mehr viel hinzuzufügen.
    Man ist – oder besser: Ich bin ja eben nicht nur jemand, der über Bücher bloggt, sondern auch Leserin anderer Blogs, also „Konsumentin“. Und da ergeht es mir wie Kirsten W. – vollinhaltliche Zustimmung bei 1 bis 3, Amazon-Rezensionen lese ich niemals, Bestsellerlisten ignoriere ich, und das Feuilleton bietet mir zuwenig Vielfalt. Da war für mich die Entdeckung der Literaturblogs ein echter Zugewinn – gerade die kleineren Verlage entgehen einem, wenn man nicht noch zusätzlich ein, zwei engagierte Buchhändler in der Umgebung hat, die einen auf diese Schätze aufmerksam machen.
    Zu den negativen Rezensionen: Das würde ich für mich nicht unbedingt zum Maßstab für die Glaubwürdigkeit eines Blogs machen (und ist auch für mich keine Entscheidungsgrundlage, ob ich einem Blog folge oder nicht) – man erhält ja doch sehr schnell einen Eindruck, ob sich ein Blogger/eine Bloggerin intensiv mit dem Gelesenen auseinandersetzt, das ist unabhängig davon, ob jemand nur Empfehlungen schreibt oder auch mal kritisch sich äußert. Mein persönlicher Maßstab ist der Eindruck, den ich von der „Ernsthaftigkeit“ des Bloggers in der Besprechung von Büchern gewinne.
    Nur in einem Punkt will ich Dir widersprechen: “ Ein Literaturkritiker bewertet nach festgelegten, bekannten und nachvollziehbaren literaturwissenschaftlichen Kriterien. Sein Ergebnis ist nicht geleitet vom emotionalen Empfinden – er setzt sich wissenschaftlich mit dem Text auseinander und danach bewertet er ihn. “ Das wäre im Idealfall so – aber auch da menschelt es. Diesen Respekt vor Literaturkritikern als scheinbar übergeordnete Instanz habe ich mit der Zeit verloren.

    Zu den Verrissen noch ein Wort: Schmunzeln musste ich bei der Bemerkung zum „Kidnapping“ – das passt zu dem Beitrag, den ich heute in Sachen Distelfink gemacht habe – das Buch empfand ich leider so. Meine Einschätzung kam, wenn ich den Kommentaren folge, nicht bei allen gleich gut an :-).
    Es ist für mich zwar kein Thema, zu meiner Meinung zu stehen – allerdings wird mir immer wieder auch deutlich, dass a) manche Leser dieser Empfehlung dann durchaus folgen und b) andere wiederum fast schon persönlich getroffen sind, wenn man ein Buch mal negativ bespricht. Letzten Endes ist das ja wiederum der Vorteil der Blogs gegenüber den Feuilletonisten: Man kann ganz deutlich subjektiv argumentieren. Aber andererseits spüre ich gerade dann auch, dass man auch eine gewisse „Verantwortung“ übernimmt (ohne dass man sich jetzt zu wichtig nimmt): Aber nur Verreissen um das Verreissens willen und mal kräftig austeilen, weil das Spaß macht – das halte ich für bedenklich.
    Liebe Grüße, Birgit

    • Liebe Birgit,

      das Feuilleton lese ich zwar immer, aber (aus genau den von euch aufgeführten Gründen) nicht, um mir Tips zu holen, sondern rein aus Interesse. Ich verstehe deinen Einwand und teile ihn auch – die Literaturkritik ist zu eindimensional geworden. Aber ich finde trotzdem öfter noch in den Besprechungen Hintergründiges zu beispielsweise Entstehungsgeschichten, die das
      Buch dann doch noch mal in einen anderen Kontext setzen. Zuletzt bei „Die Sache mit dem Dezember“: Für mich stand eigentlich der Protagonist mit seiner eigentümlichen Art, seine Umwelt zu sehen und entsprechende Schlüsse zu ziehen, absolut im Vordergrund. Die Tatsache, dass dort ein riesiges Bauvorhaben geplant wurde und für Unnannehmlichkeiten sorgte, war für mich eher dramaturgisches Beiwerk. Dann las ich eine Rezension dazu, die die Wirtschaftslage in Irland zu diesem Zeitpunkt viel stärker betonte – und er hatte recht, dadurch gewann dieser Erzählstrang im Nachhinein noch deutlich an Gewicht.

      Warum sich allerdings die Feuilletonredaktionen alle auf die gleichen Titel stürzen, ist mir auch ein Rätsel. Nur menscheln?

      Für mich sind (waren) diese negativen Rezensionen auch kein Ausschlusskriterium – eher die Authentizität des Verfassers und die Schnittmenge bei der Einschätzung von Titeln, die ich selber schon gelesen hatte. Dabei (und an seinem Umgang mit konträren Meinungen in den Kommentaren) merkt man eigentlich schon ganz gut, wie jemand „tickt“.
      Aber ich kann auch verstehen, dass man auch übermdie Negativbeispiele lesen möchte. Der Leser kann ja nicht ahnen, aus welchen Gründen sie auf dem Blog nicht vorgestellt werden.

      Es bleibt ein spannendes Feld!

      Herzliche Grüße

      Sonja

  7. Liebe Sonja,
    auch mich treiben die aktuellen Entwicklungen und die vielen Diskussionen rund ums Bloggen um, aber im Gegensatz zu dir – und Birgit – habe ich noch nicht herausgefunden, was für Schlüsse ich daraus für mich ziehe und wie sich das auf mein eigenes Bloggen auswirken wird. Fakt ist, dass es mir in letzter Zeit zu laut geworden ist, zu stürmisch, und ich fühle mich nicht wohl damit, sodass ich mich schon jetzt aus den allermeisten Debatten heraushalte und mich bemühe, wieder mehr mein Ding zu machen. Einen Schritt wie Birgit werde ich zwar sicher nicht gehen, aber ich kann ihn absolut nachvollziehen, und auch deine Fragen zu deinem Selbstverständnis als Bloggerin sind mir nicht unbekannt. Wie gesagt habe ich mich noch nicht für eine Richtung entschieden, aber in der Zwischenzeit lese und schreibe ich im Stillen weiter, ohne mich allzu sehr aufreiben zu lassen. Ich hoffe, das gelingt – auch dir (und euch).

    In diesem Sinne: Weiterhin frohes Lesen und Drüberschreiben!
    Herzlich,
    caterina

    • Liebe Caterina,

      zuerst wollte ich antworten, dass ich keine Gefahr sehe, aufgerieben zu werden. Doch während ich die Antwort im Kopf formuliere, fällt mir auf, dass das nicht stimmen würde. Die Gefahr besteht. Das Agieren in den Netzwerken (das durchaus viele, viele Vorteile bringt und auch Spaß macht) kostet immer sehr viel Zeit – und manchmal auch viel Energie. Alleine deswegen ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit einfach mal innezuhalten und zu schauen, ob man noch auf dem für sich richtigen Weg ist, was Ziel, Intention und Abläufe angeht.
      Von daher sehe ich das alles nicht negativ. Birgits Konsequenz ist auch für mich absolut nachvollziehbar, wenn ich es für mich auch nicht in Erwägung ziehe (aber ich poste ja auch nicht mit dieser Schlagzahl… Vielleicht ja auch deswegen?

  8. Ich habe mit dem Bloggen aus purem Eigennutz begonnen: Fingerübungen – oder schaffe ich es, jeden Tag einen kurzen Text zu schreiben. Mittlerweile bin ich auch an dem Punkt, Fragen zu stellen. Zumal ich gerne lese und auch angefangen habe, Bücher vorzustellen. Was mir hier gefällt: ich kann Bücher völlig unabhängig von ihrem Erscheinen besprechen. Was im Feuilleton unmöglich ist, ein Buch vom letzten Jahr zu besprechen, ist im Blog möglich und meines Erachtens auch fruchtbar, weil die Zeit der Meinungen vorbei ist und ich mich unvermittelter auf die Lektüre einlassen kann. Verrisse werde ich sicher keine schreiben, schon aus dem Grund, dass ich Bücher beiseite lege, wenn ich nicht mit ihnen kann (das betrifft nicht unbedingt Bücher, die mich ärgern – da wird es ja oft besonders spannend…). Aber es gibt unter den Rezensionsexemplaren auch solche, die ich nicht besonders finde. Hier habe ich ja als Bloggerin wirklich jede Freiheit – oder eben: ich nehme mir sie. Ansonsten treibt mich die Frage um, wie kann ich anders schreiben, als im Allgemeinen in der Buchbesprechung üblich. Dabei geht es mir nicht um Originalität, sondern um diesen empfindlichen Punkt zwischen Leser/in und Autor/in, einer zutiefst subjektiven Sphäre, die in „professionellen“ Kritiken aus verschiedenen Gründen (durchaus auch nachvollziehbaren) vermieden wird. Ob das möglich ist, eben anders zu schreiben, weiß ich nicht, auch nicht, ob das irgendwohin führt. Aber das genau interessiert mich. Deinen Blog werde ich mir demnächst mal in Ruhe anschauen. Ich bin schon sehr gespannt.

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