Blogbuster 2017 – Warten auf die Shortlist

Bald ist es soweit: Die Jury wird sich durch alle vorgeschlagenen Manuskripte gelesen, auf drei Favoriten geeinigt und sie für die Shortlist nominiert haben. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit. Die man hervorragend nutzen kann, um euch jemanden vorzustellen.

Interview mit dem Autor?

Nein, nicht den Autor Kai Wieland. Ein Interview mit ihm (und den anderen Nominierten) gibt es bereits hier auf der Seite des Blogbusterpreises. Nicht, dass ich nicht trotzdem noch ein paar Fragen an ihn hätte; schließlich wüsste ich schon gerne, wie er sich gerade fühlt, so kurz vor der ersten Bekanntgabe, woher die Idee zu seinem „Ameehrikah“ stammt, ob und wie er sich den Inhalt erarbeitet hat, ob es eher Arbeit oder Vergnügen war usw.. Aber das kann man ja alles später auch noch.

Oder Vorstellung der Protagonisten?

Ich dachte mir, dass es vielleicht interessant ist, ein paar der Protagonisten aus „Ameerikah“ näher kennenzulernen. Darum stelle ich hier ein paar der Protagonisten vor – und zwar nur anhand einer kurzen Textpassage und ergänzt durch ein Foto (das freundlicherweise vom Autor himself zur Verfügung gestellt wurde).

Den Beginn macht Erwin. Kriegsheimkehrer – und unberechenbar.

„Unter all den Kopfschlächtern war er nämlich der einzige, der seine Messer mit in den Schippen* brachte und zu den unmöglichsten Gelegenheiten vorzeigte. Er führte sie so selbstverständlich mit sich, als seien es angeborene Gliedmaßen. Wahrend er in der einen Sekunde noch vollkommen ruhig und regungslos am Stammtisch saß und Karten spielte, konnte er schon im nächsten Moment seinen Ausbeiner hervorziehen und ihn vor Martha in den Tisch rammen, wenn sie ihm sein Daumenschorle hinstellte, ohne dabei ihren Daumen wie von ihm gefordert ins Glas zu tunken.“

*Name eines Wirtshauses

Wilhelm. Auf der Suche nach Büchern.

Wilhelms Panik steigerte sich zur Hysterie, als er an diesem schwülen Vormittag im Juli stark schwitzend die Gänge zwischen den metallisch glänzenden Regalen der Gemeindebücherei auf und ab lief. Etwas hatte sich verändert, ein für den Chronisten nicht uninteressantes Detail. Wo waren die Bücher? Die Regale standen zwar voll davon wie immer, doch die wichtigen Titel fehlten. All die Werke, die er im Kopf bereits aussortiert hatte, all die großen, klangvollen Namen. Sie waren einfach verschwunden. „Gruppe Bosemüller“ zum Beispiel, oder „Volk ohne Jugend“ von Burgdörfer. Wo waren die fünf signierten Exemplare von Schattenbachs „Vier Stunden im Feld“ geblieben? Auch Hans Grimm war aus den Regalen getilgt, ebenso wie Hans Zöberlein, immerhin ein Werwolf. Und schließlich sein Lieblingstitel, Neuadel aus Blut und Boden, einfach weg. Wie war das nur möglich? Jemand musste sie in Sicherheit gebracht haben. Aber wer war so unglaublich dumm, in dieser Situation noch ein solches Risiko einzugehen, für ein bisschen Literatur?

Hilde. Die Heimat verlassen müssen, um zu sich selbst zurückkehren zu können.

„Ach Herrje, die Siebziger.“ Hilde verdreht genießerisch die Augen. Those were the days my friend. Der Chronist hält es fest, so wird es dann wohl gewesen sein. Als Zuhörer tut er sich allerdings schwer damit zu erkennen, worin sich Hildes Leben in den Siebzigerjahren von jenem in den späten Sechzigern unterschied. Er registriert einen signifikanten Anstieg im Konsum von Rauschgift, aber der Strom riss sie noch immer in dieselbe Richtung wie eh und je, nämlich flussabwärts. „Man kann diese Zeit nicht beschreiben“, meint Hilde kopfschüttelnd. „Man muss sie ganz einfach erlebt haben.“

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