Bregje Hofstede – Der Himmel über Paris

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Professor im besten Alter verliebt sich in junge Studentin – ein Thema, mit dem sich schon zig Autoren in ebenso vielen Variationen verewigt haben. Viel Neues ist da nicht zu erwarten, dachte ich. Dann schlug ich das Debüt der Niederländerin Bregje Hofstede auf, begann zu lesen…… und zack, hatte sie mich schon eingefangen. Ich war sofort drin, saß mit in diesem halbdunklen Vorlesungssaal an der Sorbonne und folgte der Geschichte, die sie in „Der Himmel über Paris“ erzählt.

Eigentlich ist alles gut, wie es ist…

Da ist der 52-jährige Olivier, Professor für Kunstgeschichte an der Sorbonne, der schon lange und stabil mit seiner Dozentenkollegin Sylvie das Leben, jedoch nicht die Wohnung teilt. Der seinen Platz gefunden und eigentlich keinen Bock auf Veränderung hat und deswegen nicht besonders begeistert ist, als er vom befreundeten Leiter der Fakultät gebeten wird, eine niederländische Austauschstudentin unter seine Fittiche zu nehmen. Er macht es trotzdem – und damit wird eine Kette von Ereignissen und Erkenntnissen in Gang gesetzt, die sein in Sicherheit gewähntes Seelenheil mitsamt seinem bisherigen Leben völlig aus dem Ruder laufen lässt und aus der nichts und niemand hervorgehen wird, wie es oder er vorher war.

„Der Himmel über Paris“ ist alles und nichts:

Er ist intensive Liebes- und Lebensgeschichte, ohne romantisch zu sein (und wenn, dann nur in Olivers verklärt-melancholischen Rückblicken). Er ist Charakterstudie, ohne die Personen detailgetreu bis ins Kleinste auszuleuchten; vieles bleibt nur angedeutet, schemen- und auch rätselhaft: Die Autorin legt immer wieder kleine Fährten, Hinweise auf weitere mögliche Ebenen, die aber nicht endgültig geklärt und aufgelöst werden. Das kann für den ein oder anderen vielleicht unbefriedigend sein – mir persönlich aber hat es gerade deswegen sehr gefallen. So gibt es in einigen Situationen mehrere Deutungsmöglichkeiten (auch in Bezug auf das Ende), die aber alle in sich schlüssig sind bzw. wären (einziger Wermutstropfen dabei ist die Szene mit dem Mob, der mir etwas zu dick aufgetragen und irgendwie unzeitgemäß wirkt).

Wenn die Vergangenheit nicht vergangen ist

Bregje Hofstede zeigt, wie sehr die Vergangenheit unsere Zukunft beeinflusst, während wir in der Gegenwart glauben, unabhängig davon Entscheidungen treffen zu können. Und das alles hat sie verdammt gut gemacht.

DerHimmelüberParis-BregjeHofstede

 

 

 

 

„Der Himmel über Paris“ von Bregje Hofstede wurde aus dem Niederländischen übersetzt von Heike Baryga, erschien im Verlag C.H. Beck unter der ISBN 978-3-406-68343-5 und ist  für 17,95 € beim Buchhändler zu bestellen und unbedingt zu lesen.

 

3 Kommentare

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