#BloggerfuerFluechtlinge

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24.08.2015 Ich war noch nie stolz, eine Deutsche zu sein. Diese Art von Stolz, dieser Patriotismus, ist mir fremd. Aber ich war froh, eine Deutsche zu sein. Froh und glücklich, durch das Zusammentreffen von Ort und Zeit hier in Deutschland geboren worden zu sein. Und ich bin es immer noch. Ich bin glücklich, nie hungern gemusst zu haben, ein komfortables Dach über dem Kopf, immer Zugang zu Bildung, Kultur und medizinischer Versorgung zu haben. Das ist ein Privileg. Und es ist ein Privileg, in einem Land zu leben, das Menschen, die Arbeit verloren haben, sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht aus eigener Kraft finanzieren können, aufzufangen versucht.

Aber in der letzten Zeit kommt noch ein anderes Gefühl hinzu. Scham. Ja, ich schäme mich. Abgrundtief. Ich schäme mich, dass unser Deutschland Früchte hervorbringt, die ungenießbar sind für jeden menschlichen Magen. Hass schmeckt bitter und macht hässlich. Das sind auch die Worte, die die Bilder dieser Tage in den Medien treffend untermalen.

Es ist bitter und hässlich, wenn Flüchtlingsheime brennen, wenn Menschen mit „Haut ab, Pack“ und anderen einschlägigen Willkommensgesängen empfangen werden, gesungen von glatzköpfigen tumben Extremisten in Springerstiefeln , und, noch viel schlimmer, eskortiert von unzähligen Normalos, teilweise noch kinderwagenschiebend. Empfängt man so Menschen, die eine für uns unvorstellbare Tortour hinter sich haben, die ihr ganzes Hab und Gut von heute auf morgen verlassen haben? Die zuschauen mussten, wie Angehörige oder Freunde beraubt, vergewaltigt oder erschossen wurden. Die all ihr Vermögen irgendwelchen dubiosen Schleppern gegeben haben, in der Hoffnung, irgendwo einfach nur Leben zu können. Die mit ihren Kindern auf dem Arm und Flip-Flops an den Füßen an Ländergrenzen entlanggelaufen sind mit nichts als dem, was in eine Plastiktüte passt.

Es ist auch bitter und hässlich, wenn man sehen muss, dass beispielsweise in Berlin Moabit die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung nicht in der Lage sind, das Registrierungsprozedere so zu organisieren, dass man es den hunderten geflüchteten Menschen erspart, stundenlang in sengender Hitze, ohne Schutz vor der Sonne, ohne Wasserversorgung vor dem Gebäude des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) ausharren zu müssen. Das ist entwürdigend. Das ist einem Menschen gegenüber nicht würdig und auch nicht einem kultivierten Land wie Deutschland.

Das alles macht mich auch unglaublich wütend. So wütend, dass mir einfach die Worte fehlen, um meine ganzen Gedanken und Empfindungen in die passenden Worte zu fassen. Aber ich will nicht tatenlos zusehen müssen, wie alles das, was uns als Mensch ausmacht, einfach von den hasserfüllten Fratzen irgendwelcher Idioten aufgefressen wird. Das hatten wir schon mal. Und wir sollten es besser wissen.

Darum dieser Artikel, der dem Aufruf zum Mitmachen von Karla Paul folgt und eine Initiative stützt, die von Paul Huizing, Nico Lumma und Stevan Paul koordiniert wird. Alle Blogger sind eingeladen, mitzumachen – je mehr, desto besser.

Aber es gibt auch unzählige Organisationen vor Ort, die dringend Unterstützer und Mitstreiter suchen. Eine recht gute Übersicht bietet da pro asyl.

Und was mir besonders wichtig ist: Dass wir zeigen, dass Deutschland auch noch ein anderes Gesicht hat. Dass wir noch genug sind, diesen verbitterten, hasserfüllten und sich vor aus Dummheit genährter Angst in die Hosen machenden Prolls etwas entgegenzusetzen.

Frau Merkel könnte da ruhig mal einen Gang zulegen und mit gutem Beispiel voran gehen – mit deutlichen Worten und so, dass sie sich nicht nur von diesen Menschen, deren Gesinnung und deren Taten distanziert, sondern dass es weder erwünscht ist noch geduldet werden wird.

 

Weitere Artikel anderer Blogger findet man beim Bücherwurmloch, Literaturen, Lust auf Lesen, muromez, sätze & schätze, …

… oder bei twitter und facebook mit der Suchfunktion, wenn man #bloggerfuerfluechtlinge zu Hilfe nimmt.

Das Logo oben wurde übrigens von Tollabea extra zur Verfügung gestellt.

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3 Kommentare

  1. Pingback: Zwanzig Mark und sonst nichts – #BloggerFuerFluechtlinge | Muromez

  2. Ich kann deine Worte sehr gut nachvollziehen. Auch ich fühle keinen Stolz, eine Deutsche zu sein. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass ich eine norwegische Großmutter habe/hatte. Eher fühle ich mich zu diesem Land hingezogen, weil ich dort sehr schöne Erlebnisse und Erfahrungen machen konnte; auch von menschlicher Seite her.
    Vielmehr glaube ich, dass Menschen eher einen Bezug zu der Region haben, in der sie leben – ob das nun eine Großstadt ist oder eine ländliche Region. Was ich in all den vergangenen Wochen und Monaten vermisst habe, bei all jenen, die gegen Flüchtlinge und Asylbewerber Stimmung, gar Hetze betreiben, ist Respekt vor den Menschen und eine gewisse Demut. Denn es ist Zufall, wo man geboren wird und aufwächst, ein Land kann man nicht besitzen, man ist vielmehr nur ein kleiner Teil davon und sollte deshalb auch keine Besitzansprüche haben. Viele Grüße

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