Schlagwort: Verantwortung

Anne von Canal – Der Grund

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Untergang der Estonia am 29. September  1994:

„In der Schwärze der Nacht, in tosendem Sturm, reckte das weiß-blaue Schiff um 01.48 Uhr ein letztes Mal den Bug in die Luft und versank nach weniger als einer Stunde mit einem lauten Seufzer. Mit ihm verschwanden die Wünsche und Träume, die Sehnsüchte, Sorgen, Ängste und Pläne all jener, die an Bord geblieben waren.“ (Seite 11)

Ein Pianist, der in Venedig auf ein Kreuzfahrtschiff geht. Der lieber auf der Flucht ist und sich doch nichts sehnlicher wünscht als einen Hafen, in dem er zur Ruhe kommen kann. Er kann nicht schlafen, betäubt sich mit Whisky, sucht Trost bei fremden Frauen und führt Tagebuch, um sich selbst nicht vollends zu verlieren. Er ist präziser Beobachter am Klavier, sieht und versteht mehr als viel – aber verharrt in ständiger Distanz.

Laurits, ein klassischer Oberklassefuzzi, sitzt  vor dem Prüfungskomitee eines Konservatoriums, spielt um die dortige Aufnahme – und um sein Leben, denn für ihn gibt es nur diese eine Chance: schafft er die Aufnahme nicht, muss er Medizin studieren. Nur unter dieser Bedingung stimmte sein Vater überhaupt einer Teilnahme zu. Weiterlesen

Simon van Booy – Die Illusion des Getrenntseins

Die Illusion des Getrenntseins

 

Was der Klappentext verrät:

„Eine kleine Bäckerei in Paris, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Ein Soldat, dem in einem Akt der Güte das Leben geschenkt wird und der damit das Richtige tut. Eine mutige junge Frau, die offene Arme hat für ein Neugeborenes ohne Namen. Und ein Autor, der die Geschichte dieser Menschen in einer wunderbar zarten, eleganten Prosa erzählt – und dabei die unglaubliche Wucht menschlichen Schicksals entfaltet.“

Als Martin schon fast alt genug für die Schule ist, erzählen ihm seine Eltern, dass ihnen vor einigen Jahren, mitten in den Kriegswirren, ein Fremder ein Baby auf den Arm gedrückt hat: ihn selbst. Er braucht Jahre, um seine Herkunft zu begreifen – und er braucht sein ganzes Leben, um dem Mann zu begegnen, der ihn einst gerettet hat. Und auch dann weiß er nicht, wer da vor ihm steht.

Was ich verrate:

Getragen wird die Geschichte von dem Gedanken, dass  all unsere Leben auf irgendeine Weise miteinander verwoben sind.

„Wo wir auch hingehen, wir hinterlassen immer etwas von uns, ob wir es merken oder nicht.“ Weiterlesen

Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte

 

 

„Geschichte ist die Ungewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen.“

 

 

Wie wurden wir zu dem, was wir heute sind?

Wie wahr ist unsere Vergangenheit, unsere Erinnerung daran oder das, was wir dafür halten?

Tony Barnes, der sein Arbeitsleben bereits hinter sich gelassen hat und in seinen wohlverdienten Ruhestand starten will, wird durch eine unerwartete Erbschaft plötzlich  gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit oder vielmehr mit dem, was er bisher dafür hielt, auseinanderzusetzen. Ihm, der wie er im Laufe der Geschichte selber feststellen muss, dem das Leben und seine Besonderheiten immer irgendwie passiert sind, der sich mit den Entwicklungen  immer nur arrangiert hat und sich den Gegebenheiten nur zu gerne fügte. Weiterlesen